„Man muss Vorurteile im Kopf ausschalten!“ – Interview mit Annabell

Das Projekt “Schreibwerkstatt” wird im Rahmen von Mülheim2020 finanziert und von den Stadteilmüttern umgesetzt.

Annabell ist 26 Jahre und seit 8 Jahren mit einem Nigerianer (29) verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Kinder. Annabells Mann hat in Leipzig noch seinen Bruder, doch weitere Familie ist nicht im Land.

Wie haben Sie Ihren Mann kennengelernt?

Er hat mich in Leipzig angesprochen. Erst habe ich ihm eine Abfuhr erteilt, doch er hat nicht locker gelassen und nach dem ersten Date waren wir sozusagen zusammen. Er kommt aus Nigeria. Er ist jetzt seit ungefähr 10 Jahren in Deutschland. Er konnte ein bisschen Deutsch und wir haben uns auch ein bisschen auf Englisch unterhalten. Das ging schon irgendwie. Er war überhaupt nicht mein Typ, deswegen hat er auch erstmal eine Abfuhr bekommen. Ich hatte keine Vorurteile oder so. Aber er war einfach nicht mein Typ. Geheiratet haben wir dann im November 2006, gegen alle Widerstände, in Dänemark. Dort brauchten wir nur die Geburtsurkunde und den Pass. Hier in Deutschland wäre es schwieriger gewesen. Denn für meinen Mann war es unmöglich noch weitere Papiere aus Nigeria zu bekommen. Ich war noch nie in Nigeria, möchte aber unbedingt mal. Auch die Kinder wollen das Heimatland ihres Vaters sehen. Im kommenden Jahr wollen wir zusammen dort hin.

Als was arbeitet Ihr Mann?

Er ist Produktionshelfer in Leverkusen.

Wie alt sind Ihre Kinder?

Mein Sohn wird 6 und meine Tochter wird 3 Jahre alt. Weitere Kinder haben wir aber nicht in Planung.
Chinedu
Fühlen sich die Kinder eher deutsch oder nigerianisch?

Mein Sohn spricht deutsch, sieht sich auch als Deutscher, aber in „schwarz“. Im Moment werden die Kinder auch Gott sei Dank nicht gemobbt. Ich hoffe das bleibt so. Zuhause reden wir offen über das Ganze und daher kommt hoffentlich kein Problem auf.

Fragen Sie Ihre Freunde nicht, warum Sie keinen Deutschen geheiratet haben?

Bei mir ist sowas noch nicht bewusst angekommen. Ich suche mir meine Freunde sehr genau aus und die nehmen das so, wie es ist. Hier sind alle sehr offen, ganz egal welche Nationalität oder welches Geschlecht.

Wie würden Sie Ihre Ehe beschreiben?

Es gibt Höhen und Tiefen, wie in jeder Ehe. Ich bin sehr glücklich, dass mein Mann arbeitet und auch arbeitswillig ist. Wir hatten oft Glück und auch Unterstützung von den Ämtern. Das erleichterte vieles. Er fühlt sich hier wohl und in der Gesellschaft aufgenommen. Das macht auch die Ehe leichter.

Wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?

Er ist dominant und zielstrebig, aber vor allem auch warmherzig und lebensfroh.

Woran denken Sie am liebsten zurück, wenn Sie an Ihren Mann denken?

An die Hochzeit und an die Geburt der Kinder. Auch gut war die Anfangszeit in Köln. Es war damals die richtige Entscheidung nach Köln zu kommen.

Was würden Sie anders machen?

Ich glaube gar nichts – nein.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass meine Kinder nur seltene Momente in der Schulzeit, wo sie wegen ihres „Anders-Aussehens“ diskriminiert werden. Außerdem hoffe ich, dass wir weiterhin verheiratet und glücklich bleiben. Und, dass wir alle gesund bleiben.

 

„Die Menschen sollen nicht fragen, wo jemand anderes herkommt. Sie sollen einfach die Person sehen und den Charakter und nicht die Nationalität oder andere Dinge, die eigentlich unwichtig sind. Man muss die Vorurteile im Kopf ausschalten.“

 

Vielen Dank für das Interview und für die Zukunft alles Gute!

Die Stadtteilmütter

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