Aus dem Alltag einer Stadtteilmutter (3)

Ivonca war zum ersten Mal in der Frauengruppe Bahar im Interkullturellen Zentrum in Buchheim. Sie hatte einen Stadtteilmutter Flyer in der Hand und las ihn neugierig . Sie machte große Augen und fragte, was der Satz „Türen öffnen und Brücken bauen“ bedeutete .“Hat das Ganze mit Bauarbeiten zu tun?“, wunderte sie sich. Alle lachten, jedoch wusste ich, dass Ivoncas Frage ernst gemeint war. Ja, was wir tun ist auch eine Art Bauarbeit, aber mit anderen Werkzeugen. Wir stellen Kontakte zwischen Menschen und Institutionen her. Mit unseren wertvollen Informationen öffnen wir Türen und machen Hausbesuche. Plötzlich sagte eine andere Frau, sie wolle ihre Türen öffnen und uns zu sich nach Hause einladen, um uns eine afrikanische Kaffee-Zeremonie vorführen. Sie wollte, dass wir ihre afrikanische Kultur kennen lernen, damit wir sie besser verstehen. Von dieser Zeremonie habe ich schon oft gehört, aber nie live gesehen. Wir wählten einen Mittwoch aus, da die Bahar Gruppe immer an diesem Tag von 10:00 bis 12:30 Uhr stattfindet. Die Gruppenteilnehmerin und gleichzeitig unsere baldiges Gastgeberin, kommt aus Eritrea. Sie besucht regelmäßig Bahar (Frühling) Gruppe mit großem Interesse. Am Anfang war sie sehr zurückhaltend und sprach kaum. Aber alle merkten, wie sie sich in kurzer Zeit verändert hatte. Allein, dass sie uns zu sich einlud, ist ein Beweis, wie wichtig die Gruppen für die Frauen und für ihre Aufgeschlossenheit sind.

Mit strahlenden Augen öffnete sie ihre Haustür. Sie umarmte jeden von uns herzlich und begrüßte uns. Jeder hatte ein kleines Geschenk mitgebracht.

Wir waren sieben Frauen und ihre Wohnung war gerade groß genug für sie alleine. Sie plazierte uns einfach in ihrem großen Herzen, deswegen bemerkten wir den Platzmangel nicht. Am Vortag bereitete sie schon alles alleine vor. Sie hatte zwei afrikanische Gerichte für das Frühstück vorbereitet. Das eine war pikant, aber beides sehr lecker. Auf unsere Äußerungen, sie habe sich viel zu viel Mühe gegeben und zu viel gearbeitet, antwortete sie ständig damit, dass sie alles mit Liebe uns gegenüber gemacht hatte.

Frauentreff

Stadtteilmütter beim Hausbesuch  Gastgeberin  Kaffee Zeremonie

Dann kamen wir zum besten Teil unseres Besuches, zur eriteranischen Kaffee-Zeremonie. Zuerst röstete sie die Kaffeebohnen, dann mahlte sie diese. Anschließend bereitete sie den Kaffee mit sehr viel Spaß, Erzählungen und Geduld auf einem kleinen Herd in einem speziellen Behälter vor. Man trinkt es in Espressotassen, süß mit dem Sangefil-Gewürz, jedoch ohne Milch. Zu diesem Zeremonie gehört auch Selbstgemachtes Popcorn gemischt mit Rosinen. Das war ein unvergesslicher Tag. Alle haben viel gesehen und gelernt. Seitdem tragen wir ein Stück Afrikanische Kultur mit uns. Und wie sie selbst ständig betont: „Ich fühle mich nicht mehr alleine, denn ich besuche eine schöne Gruppe von Stadtteilmüttern, dort habe ich viel Zuneigung und Freunde gefunden“.

Touran Malaie

Stadtteilmutter

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