Aus dem Alltag einer Stadtteilmutter (2)

Die Aufgaben einer Stadtteilmutter sind vielseitig. Als Stadtteilmutter begleite ich beispielsweise einen Nähkurs, der jeden Freitag stattfindet. Diese Gruppe habe ich schon bei meiner Qualifizierung in der VHS kennen gelernt, als ich im interkulturellem Zentrum in Buchheim mein Praktikum absolviert habe. Ich habe sie sehr schnell ins Herz geschlossen.

Nach meiner Aufnahme als Stadtteilmutter bin ich weiterhin im Nähkurs geblieben. Als ich die Frauen am vorletzten Freitag vor den Sommerferien nach einem Ausflug in den Ferien fragte, bestätigten diese die Idee alle mit einem begeisterten „JA!!“. Schnell planten wir unseren Ausflug für den kommenden Freitag. Das Bild zeigt die Gruppe beim Picknicken

Heute ist dieser Freitag – der letzte Tag vor den Sommerferien. Wir haben uns am Wiener Platz verabredet. Pünktlich haben sich alle Frauen mit ihren kleinen Kindern gesammelt. Der Mülheimer Stadtgarten ist ein schöner und ruhiger Ort zum Picknicken.

Wir haben unsere Decken auf der grünen Wiese ausgebreitet und es uns richtig gemütlich gemacht. Jeder hatte etwas Köstliches mitgebracht. Somit war für unser Wohl sehr gut gesorgt. Eine Frau nahm sogar selbstgemachte Getränke mit, die alle sehr lecker fanden. Jeder wollte sofort das Rezept dafür. Und die stolze Nähkursteilnehmerin hat ihr Rezept so präsentiert:

„Bei uns im Sudan gibt es eine Blume, sie heißt Karkade. Sie ähnelt der Hagebutter. Wir kochen zwei Liter Wasser auf, dann nehmen wir das Wasser vom Herd und fügen eine Hand voll Karkadeblumen hinzu. Danach zwei Stunden ziehen lassen. Dann die Blumen mithilfe eines Siebs vom Saft trennen und den Saft mit Zucker abschmecken und in den Kühlschrank stellen. Dann kalt servieren! Man kann Karkadeblumen auch als Tee trinken. In diesem Fall muss man ein bisschen Karkade mit Wasser kochen. Es soll auch gegen Erkältung helfen.“

Nach der Cocktailschulung habe ich mit den Kindern lange Fußball gespielt. Dabei habe ich festgestellt, dass wenn es ums Spielen geht, die Kinder nie müde werden. Auf einmal wurde der Himmel dunkel. In Sekundenschnelle räumten wir alles wieder auf und verabschiedeten uns. Aus Erfahrung wusste ich, dass ich einige Frauen im neuen Kurs nach den Sommerferien nicht mehr wiedersehen würde. Aus diesem Grund fiel mir der Abschied sehr schwer. Ich begleitete alle mit einem mulmigen Gefühl bis zum Wiener Platz und verabschiedete mich von ihnen ganz herzlich – natürlich trotzdem mit der Hoffnung jeden nach den Ferien wiederzusehen.

Damit muss ich mich wohl leider abfinden, denn in unserem Beruf kommen Beziehungen auf lange Dauer selten vor und wir müssen uns auf ständige Begegnungen und ständige Abschiede einstellen.

Touran Malaie

Stadtteilmutter

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